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Häufig gestellte Fragen

Wie ist das genaue Einschlussalter in der Fr1da-Studie definiert?

Hauptsorge vieler ist, dass die positiv Getesteten und ihre Familien eine große psychologische Belastung über die folgenden Jahre bis zur Manifestation tragen müssen, die u.U. die Vorteile frühzeitiger Aufklärung, Überwachung, Präventiv-Schulung und Vermeidung von Ketoazidosen nicht aufwiegt. Auch angesichts der Tatsache, dass bei uns eine Erstmanifestation mit Ketoazidose zwar ein eindeutiges psychisches Trauma darstellt, aber wohl kein wirklich lebensbedrohliches und auch keines mit bleibenden Schäden. Oder gibt es da andere Daten und tatsächlich letale Fälle?
Wie wird dieser Belastung der Familie
in und nach der Studie Rechnung getragen, wird es eine psychologische Unterstützung auf Dauer und auch regional und nicht nur in München geben?

Ist das positive Ergebnis der geplanten Antikörpertests zu 100 % verlässlich für die Krankheitsprognose, d.h. wie hoch ist der positive Vorhersagewert der Laboruntersuchungen?

Was passiert mit den 20% positiv Getesteten, die innerhalb der folgenden 10 Jahre nicht manifest erkranken? Werden sie zuletzt auch alle Typ-1-Diabetiker und falls ja, mit welchem zeitlichen Verlauf? Schließlich müssen diese dann die Bürde der Prognose einer späteren Diabetes-Erkrankung viel länger tragen.

Wie verlaufen die Alterskurven von positiven Antikörpertests und Inzidenzen des Typ-1-Diabetes, d.h., welche prognostische Sicherheit bietet ein negatives Testergebnis mit 2 oder 3 im Vergleich zu 4 oder 5 Jahren? 

Können auch jüngere oder ältere Geschwisterkinder an der Studie teilnehmen, wenn die Familie danach fragt?

Können auch Kinder aus anderen Bundesländern z.B. Hessen daran teilnehmen, wenn sie sich dafür interessieren?

Ist die Hirnschädigung in der australischen Studie nur bei schweren Ketoazidosen aufgetreten oder bei allen, also auch bei leichten Formen?

Lässt sich der klinische Ausbruch des Typ-1-Diabetes durch eine bestimmte Lebensführung, wie z.B. durch kohlenhydratarme Ernährung, Gewichtsreduktion und Sport (also ähnlich wie bei Typ-2-Diabetes) auf einen späteren Zeitpunkt verschieben? Gibt es andere präventive Maßnahmen?

 

 

Wie ist das genaue Einschlussalter in der Fr1da-Studie definiert?

Der einmalige Typ 1 Diabetesfrüherkennungstest kann allen Kindern in Bayern angeboten werden, vom

frühsten möglichen Zeitpunkt der U7 bis

zum letzten Tag vor dem 6. Geburtstag.

Gibt es eine psychologische Unterstützung auf Dauer und auch regional?

Eine Ketoazidose im Kindesalter ist nach wie vor eine absolut kritische Situation, die bei Manifestation des Typ 1 Diabetes nicht selten auftritt. Annähernd 900 Kinder sind in Deutschland jedes Jahr davon betroffen; das entspricht in etwa einem Drittel aller Kinder mit neu manifestiertem Typ 1 Diabetes (Neu A, Diabetes Care 2009). Die gefürchtetste Komplikation der Diabetischen Ketoazidose (DKA) ist das Hirnödem, das in 0,5–1 % der Fälle klinisch auftritt und dann in 21–24 % der Fälle zum Tod führen kann (also ca. 1 Todesfall in 400 DKA-Fällen). Es ist damit die führende Todesursache für Typ 1 Diabetes im Kindes- und Jugendalter (Schober E, Austrian Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism 2011; Edge JA, Arch Dis Child 2001; Laing SP, Diabet Med 1999; Kent L, Lancet 1994). Neuere Untersuchungen zeigen zudem, dass Ketoazidose einen nachhaltigen Schaden in der Hirnfunktion und Gedächtnisleistung verursacht (Cameron FJ, Diabetes Care 2014). Weiterhin weisen Patienten mit DKA bei Manifestation selten eine Remissionsphase des Typ 1 Diabetes auf und haben eine geringe Betazell-Restfunktion, verbunden mit einer langfristig schlechteren metabolischen Kontrolle sowie einem erhöhten Insulinbedarf (Fernandez Castaner M, Diabetes & Metabolism 1996; Bowden SA, Pediatric Diabetes 2008). Die Diabetische Ketoazidose ist also eine lebensbedrohliche Situation, mit gelegentlich letalem Ausgang, nachhaltigen Hirnschäden und akutem Trauma für Eltern und Kind. Das sollten wir unserer Meinung nach mit allen Mitteln verhindern – das Ziel von Fr1da.

Den Belastungen der Familien wird durch eine Schulung zum frühen Stadium des Typ 1 Diabetes (Prä-Typ 1 Diabetes) und die Anbindung an ein erfahrenes Schulungszentrum Rechnung getragen. An allen Schulungszentren sind Psychologen in das Team integriert, die eine spezielle Schulung zum Prä-Typ 1 Diabetes und den damit verbundenen Sorgen und Ängsten der Familien erhalten haben. Die Familien werden mit Informationsmaterial versorgt und erhalten eine kleine Fr1da-Broschüre, die wir für Eltern und Kinder geschrieben haben. Die Belastung der Familien wird anhand eines Fragebogens zum Wohlbefinden alle 6-Monate erfasst. Die Fragebögen werden von der erfahrenen Fachpsychologin (Diabetes DDG) Frau Prof. Lange aus Hannover ausgewertet. Alle Familien erhalten zudem eine Hotline Nummer, über die sie sich jederzeit mit Fragen an das Fr1da-Studienzentrum wenden können. Erkenntnisse aus eigenen Studien belegen jedoch: bei Kindern und Jugendlichen, die kontinuierlich mit dem Diabetesrisiko konfrontiert werden (da familiäres Auftreten von Typ 1 Diabetes), ist die Angst kontinuierlich auf einem niedrigem Niveau und wird mit der Zeit eher geringer (Müller-Dang K, Pediatric Diabetes 2013).

Ist das positive Ergebnis der geplanten Antikörpertests zu 100 Prozent verlässlich?

Ja, ein positives Testergebnis ist absolut verlässlich und identifiziert Kinder mit Typ 1 Diabetes im frühen, asymptomatischen Stadium, auch Prä-Typ 1 Diabetes genannt (Couper JJ, Pediatric Diabetes 2014). Die Progression zum klinisch manifesten Typ 1 Diabetes wurde bei über 13.000 Kindern über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren untersucht (Ziegler AG, JAMA 2013): Treten mehr als ein Diabetes-spezifischer Autoantikörper vor dem 5. Lebensjahr im Blut auf, so liegt die Wahrscheinlichkeit einer Insulinbehandlung nach 5 Jahren bei 51%, nach 10 Jahren bei 75% und nach 20 Jahren bei annähernd 100%.

Was passiert mit den 20 Prozent positiv Getesteten, die innerhalb der folgenden 10 Jahre nicht manifest erkranken?

Die Kinder mit einem positiven Testergebnis, die innerhalb von 10 Jahren nicht klinisch erkrankt sind, entwickeln in den darauf folgenden Jahren einen klinisch manifesten Typ 1 Diabetes (Ziegler AG, JAMA 2013). Der Zeitliche Verlauf kann bis zu 20 Jahren betragen. Eine Einschätzung der Progressionsrate kann über metabolische Tests erfolgen (Sosenko JM, Diabetes Care 2008; Ferrannini E, Diabetes 2010; Sosenko JM, Diabetes 2013). 

Wie verlaufen die Alterskurven von positiven Antikörpertests und Inzidenzen des Typ 1 Diabetes?

Daten aus Studien belegen ganz klar: Wenn Kinder Inselautoantikörper entwickeln, dann meist in den ersten 2 Lebensjahren (Ziegler AG, Diabetologia 2012; Parikka V, Diabetologia 2012). Anders gesagt, 80% aller Kinder und Jugendlichen mit Typ 1 Diabetes haben bereits vor dem 5. Lebensjahr Autoantikörper entwickelt. Mit einem Autoantikörperscreening im Alter von 2 bis 5 Jahren, wird dementsprechend der Großteil der Kinder mit Prä-Typ 1 Diabetes identifiziert. Dies schließt jedoch nicht aus, dass einige Kinder, die im Alter von 2 bis 5 Jahren ein negatives Testergebnis aufweisen, später doch noch Autoantikörper und Typ 1 Diabetes entwickeln (Ziegler AG, Diabetologia 2012; Vermeulen I, Diabetologia 2012). Die Wahrscheinlichkeit sinkt jedoch mit steigendem Lebensalter. Eine Wiederholung der Screeninguntersuchung im Jugendalter (z.B. im Rahmen der J1 Untersuchung) wäre deshalb ratsam, kann aber in der Fr1da Studie aus Kostengründen noch nicht angeboten werden.

Können auch jüngere oder ältere Geschwisterkinder an der Studie teilnehmen, wenn die Familie danach fragt?

Nein, da das Projekt aus Studiengeldern finanziert wird, ist dies leider aus finanziellen Gründen nicht möglich.

Können auch Kinder aus anderen Bundesländern z.B. Hessen daran teilnehmen, wenn sie sich dafür interessieren?

Vorerst wird der Früherkennungstest als ein Pilotprojekt nur Kindern in Bayern angeboten und durch Studiengelder finanziert. Eine Ausweitung auf andere Bundesländer ist aus finanziellen Gründen nicht möglich.

Ist die Hirnschädigung in der australischen Studie nur bei schweren Ketoazidosen aufgetreten oder bei allen, also auch bei leichten Formen?

In der Studie von Cameron et al. wurden alle Formen der Ketoazidose untersucht, also sowohl leichte als auch schwere Formen.

Lässt sich die Erkankung durch einen bestimmten Lebensstil bzw. andere präventive Maßnahmen verhindern?

Es gibt derzeit noch keine evidenzgesicherten Maßnahmen zur Prävention eines klinisch manifesten Typ-1-Diabetes. D.h. es gelten für Kinder mit einem Frühstadium des Typ-1-Diabetes genauso und vielleicht sogar umso mehr die allgemeinen Empfehlungen einer ausgewogenen gesunden Ernährung und Bewegung und Vermeidung von Übergewicht und Insulinresistenz.

Unserer Erfahrung nach haben Kinder mit einem Frühstadium des Typ-1-Diabetes häufig einen Vitamin D Mangel (Link zur Fachpublikation), weshalb die Vitamin D-Spiegel im Rahmen der Kontrolluntersuchungen gemessen und gegebenenfalls eine Substitution empfohlen wird. Vitamin D ist ein wichtiger Regulator der Immunantwort.

Es gibt auch bereits vereinzelt Studien und erste hoffnungsvolle Befunde einer antigenbasierten Therapie zur Prävention und Wiederherstellung der verlorenen Immuntoleranz. Diesbezüglich sind wir gerade im Zulassungsprozess einer antigenbasierten Präventionsstudie in Deutschland.

Kontakt

Univ.-Prof. Dr. Anette-G. Ziegler

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